Das Leben der Karpatendeutschen

Viele Menschen, die nicht aus einer karpatendeutschen Familie kommen, stellen sich meistens die Frage: Was sind das für Menschen und was ist an ihnen so besonders? Ich muss aber auch zugeben, das ich die Antwort nicht kenne. Ich denke, dass man die Antwort auf diese Frage nie finden wird, denn es gibt sie nicht. Man kann die Unterschiede nicht in Worte fassen, weil jeder Mench auf der Welt gleich ist. Der einzige Unterschied, der mit der Zeit aber verschwindet, ist der, dass sehr viele Karpatendeutsche sehr gut Deutsch sprechen können und das schon von klein auf und am besten finde ich, dass sie es ohne Dialekt tun. Aber mit der Zeit lernen immer mehr Leute Deutsch in der Schule, was gut ist, so dass auch die kleinsten Unterschiede verschwinden.

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Hier in der Zips gibt es sehr viele Familien, die Slowaken sind und sehr gut Deutsch sprechen und es gibt Familien, die Deutsche waren, jetzt aber hier leben und slowakisch sprechen. Aber das war nicht immer so. Nach dem 2. Weltkrieg wanderten viele Slowaken, darunter auch viele berühmte Slowaken, aus. Sie hofften, dass sie im Westen ein besseres Leben finden. Vielen ist es auch gelungen und unter ihnen auch einer alten Frau, die Margit heißt. Sie lebt in Deutschland schon mehr als 60 Jahre, aber Deutschalnd ist für sie nie so ganz ihre Heimat geworden. Sie wurde hier in einem kleinen Dorf geboren und gehörte schon immer zu den Karpatendeutschen, und die Zips wird für sie, wie sie einmal sagte, immer ihre Heimat bleiben. Ich bewundere Margit sehr, denn sie hat sehr viel erlebt und überlebt, aber sie ist noch voll mit Lebensenergie. Man kann ihr Leben mit dem Wetter im April vergleichen. Zuerst lebte sie ein ruhiges Leben in der Zips, wo sie von ihren lieben Eltern erzogen wurde. Hier hat sie ihre schönsten Jahre als ein kleines deutschsprechendes Mädchen erlebt, doch dann kam für sie eine große Wende nach dem 2. Weltkrieg, als ihre Familie beschloss auszuziehen. So musste sie, wie eine große Flut, ohne Abschied von ihren Freunden zu nehmen, ihre Heimat verlassen. Doch am Ende kam die lang ersehnte sonnige Zeit, wo sie in Frieden und ganz ruhig ihre letzten Jahre verbringen konnte. Jetzt ist sie mit sich zufrieden, denn sie hat einen Sohn, der sehr erfolgreich in seinem Beruf ist und sogar stolz ist auf seine slowakischen Vorfahren. Ihr Mann ist vor einem Jahr gestorben, aber das hielt sie nicht von ihren Träumen ab. Sie wollte mindestens noch einmal in die Slowakei zurückkommen, um ihre alte Heimat wieder zu sehen und vielleicht auch ein paar alte Freunde, von denen sie sich nicht einmal verabschiedet hatte, wieder zu sehen. Und es ist ihr gelungen und nicht nur einmal, sogar gleich fünfmal.

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 Als sie hier das erste Mal zurückgekommen ist, wohnte sie in einem Hotel in der Hohen Tatra, wo meine Mutter gerade ihre Ausbildung als Kellnerin machte. An einem kalten Tag im Winter, als das ganze Hotel noch schlief, hatte meine Mutter schon Dienst und musste in der Küche helfen. Als dann die Gäste zum Frühstück kamen, lief zu meiner Mutter ihre Freundin, die nicht Deutsch sprechen konnte, und bat sie, dass sie die alte Frau bedienen sollte. Die alte Frau war gleich von der fließenden deutschen Sprache meiner Mutter überrascht. Beide verstanden sich gleich sehr gut. Vielleicht lag es daran, das sie aus der gleichen Umgebung kamen, jedenfalls fragte die Frau, ob meine Mutter nicht Zeit hätte, um ihr die Hohe Tatra zu zeigen. Da meine Mutter mittags nichts vorhatte, sagte sie gleich ja. Meine Mutter zeigte ihr liebend gern die schönste Gegenden in der Tatra, wo die beiden ihre Heimat hatten. Sie redeten den ganzen Tag über das, was sich hier alles verändert hatte. Später, als es schon kalt war und sie zurückfuhren, war es gerade einen Tag vor dem Abschiednehmen, denn es endeten die Ferien in Deutschland und auch hier und darum mussten beide zurück nach Hause.

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Die beiden tauschten die Adressen aus und nahmen Abschied. Da meine Mutter das ganze Jahr viel zu tun hatte, hatte sie Margit ganz vergessen. So kam es, dass, als es wieder Winter war und Weihnachten vor der Tür stand, meine Mutter einen Brief mit einer deutschen Briefmarke zugeschickt bekommen hat. Sie hatte zuerst keine Ahnung, wer ihr schreiben konnte und darum machte sie den Brief schnell auf.

So schnell sie konnte, schrieb meine Mutter zurück. Die Briefe wiederholten sich und so wollte die Margit wieder in die Slowakei kommen. Sie hatte keine Freunde mehr, also kam sie nach Käsmark, wo meine Mutter schon geheiratet und Zwillinge hatte, mich und meine Schwester. Die Treffen wiederholten sich und so entwickelte sich eine große Freundschaft zwischen unserer Familie und der eigentlich deutschen Familie, die aus der Slowakei stammte.

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Man sieht sehr genau, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die wieder zusammenfinden, auch wenn etwas Schreckliches passiert ist. Sie finden immer zusammen, egal wie weit sie auseinander sind und wie viele Meere sie trennen, denn alle sind Menschen, die etwas gemeinsam haben. Es ist die Liebe, die die Leute zusammenbringt und egal ob jemand schwarze oder blonde Haare hat, blaue oder braune Augen hat, groß oder klein ist, rote oder weiße Haut hat. Es werden immer alles Menschen sein, die etwas ganz Besonderes haben, etwas, das uns geschenkt geworden ist. Es ist die Liebe.

Gerhard Sebastian Hámor

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